Der ultimative Showdown – Keynes schlägt Hayek K.O.?

Satirische Darstellung eines Boxkampfs zwischen Milton Friedman und John Maynard Keynes mit dem Schriftzug Schock-Studie
Friedman gegen Keynes – der ökonomische Schlagabtausch im Bild.

Was wäre, wenn eine einzige Studie die jahrhundertelange Streitfrage zwischen Keynes und Hayek lösen könnte? In Kenia wurden Millionen Dollar an Arme verteilt – quasi Geld aus dem Nichts – und das Ergebnis ist ein Schock: Die Wirtschaft boomt, die Preise bleiben stabil! Ist das der Beweis, dass Geld drucken doch funktioniert?

2014 startete die NGO GiveDirectly ein gigantisches Experiment in Kenia: In einer randomisierten kontrollierten Studie – dem Goldstandard der Forschung – bekamen 10.500 Haushalte jeweils 1000 Dollar, was etwa einem Jahresgehalt entspricht. Das Ziel: Herausfinden, wie große wirtschaftliche Stimuli à la Keynes individuelle und gesamtwirtschaftliche Reaktionen auslösen. Was in den nächsten Monaten und Jahren passierte, ist erstaunlich:

Jeder transferierte Dollar erzeugte etwa 2,5 Dollar mehr an lokaler wirtschaftlicher Aktivität. Gleichzeitig profitierten auch die Haushalte, die keine Geldleistung erhalten hatten: “Unternehmen, die Personen gehörten, die Geld erhalten haben, und Unternehmen, die Personen gehörten, die kein Geld erhalten haben, wuchsen exakt im gleichen Maße. Ihre Umsätze stiegen um den gleichen Betrag.”

JETZT das gesamte Video auf YouTube anschauen: Keynes schlägt Friedman K.O.? Gelddrucken ohne Inflation: Experiment mit 10.500 Haushalten

Und jetzt der Knaller: Trotz des großen fiskalischen Schocks (mehr als 15% des lokalen BIPs wurden verteilt) blieb die Preisinflation minimal: “Die durchschnittliche Preissteigerung beträgt 0,1 %, und selbst in Zeiten mit den größten Transfers liegen die geschätzten Preiseffekte bei weniger als 1 % und sind präzise über alle Warenkategorien hinweg ermittelt.”

Bedeutet das jetzt, Keynes hat doch recht? MMT-Fans jubeln: Geld drucken ohne Inflation? Wir können uns alle reich drucken?

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass “slack” der Grund für den Produktivitätszuwachs war. “Slack” bezeichnet unterschöpfte Kapazitäten: Beispiele dafür sind:

– Unterbeschäftigte Arbeitskräfte, die mehr arbeiten konnten.
– Unternehmen, die ihre Produktion ohne große Investitionen steigern konnten.
– Verfügbare Güter oder Lagerbestände, die die zusätzliche Nachfrage decken konnten

Ganz konkret: Ein Friseur, der zwar 8 Stunden lang seinen Laden geöffnet hat, aber aufgrund des allgemeinen Geldmangeln nur in 2-3 Stunden der Zeit Kunden hat, bekommt durch die gesteigerte Nachfrage mehr Kunden, so dass er nun 4-5 Stunden am Tag Kunden hat.

Dieser „slack“ wird von den Studien-Herausgebern herangezogen, um zu erklären, warum die Transfers die Wirtschaft ankurbeln konnten (Multiplikatoreffekt von 2,5), ohne Inflation auszulösen. Bezogen auf unsere Situation in einem Industrieland wie Deutschland, das näher an der Kapazitätsgrenze arbeitet, dürfte das Problem nicht sein, dass die Bürger nicht genügend „Geld“ haben, um zum Friseur zu gehen.

Ein essentieller Faktor wird allerdings komplett außen vorgelassen: die finanziellen Ressourcen kamen aus einem anderen Wirtschaftsraum.

Die Finanzierung der NGO basiert überwiegend auf finanziellen Ressourcen aus Industrieländern. Zwar handelt es sich dabei vorrangig um Solidaritätsspenden, dennoch werden diese Mittel letztlich aus dem diesem Wirtschaftskreislauf abgezogen.

Würde das Geld stattdessen aus kenianischen Quellen stammen – also innerhalb desselben Wirtschaftsraums generiert werden –, wären die Projektergebnisse vermutlich signifikant anders. Genau diese Abhängigkeit von externen Geldgebern macht die Studie methodisch ungeeignet, um Rückschlüsse auf den Umgang mit Staatsverschuldung in Industrienationen wie Deutschland zu ziehen.

Denn, wie Henry Hazlitt in dem wohl phänomenalsten Wirtschaftsbuch “Economics in one lesson” vor 80 Jahren beschrieb:

“Der Grundgedanke dieses Buches lässt sich in der Aussage zusammenfassen, dass wir bei der Untersuchung jeder wirtschaftlichen Maßnahme nicht nur die kurz, sondern auch die langfristigen Ergebnisse berücksichtigen müssen, nicht nur die primären, sondern auch die sekundären Auswirkungen, und nicht nur die Folgen für bestimmte Gruppen, sondern für alle Betroffenen. Daraus ergibt sich, dass es unsinnig und irreführend ist, sein Augenmerk auf nur ein spezielles Anliegen zu richten – beispielsweise nur zu prüfen, was in einer einzigen Branche geschieht, nicht auch, was sich in allen anderen tut. Denn gerade diese sich hartnäckig haltende bequeme Art, nur bestimmte Industriezweige oder Vorgänge zu sehen, ist die Ursache der schwerwiegenden wirtschaftlichen Irrtümer.“

Die Studie reduziert ihre Aussage im Kern auf folgendes Argument: Durch die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Ressourcen, die ohne Belastung Dritter vergeben werden, verbessert sich die Situation der Empfänger:innen – ein kaum überraschendes Ergebnis. Ein einfaches Geldgeschenk hat für jeden Menschen, auch bei uns, einen positiven Effekt. Dieser Ansatz blendet jedoch kritisch aus, welche Auswirkungen der Abfluss von mehr als 10 Millionen US-Dollar aus den Herkunftswirtschaftsräumen hat.

Und so bleibt es wieder einmal dabei: Keynes schlägt Hayek doch nicht K.O.

Link zur Studie: https://t.co/eiSj20GXUT

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